[DFL] – Kaleidoskop – Gegen den Strom

10 Jahre derflusswanderer – ein Grund auf dem Boden zu bleiben.

Die Berichte-Serie „Kaleidoskop“ gibt dem aufgeschlossenen Leser, Eindrücke, Einsichten, Ansichten und Anektoden zwischen den Zeilen des Angebotes…..


Gegen den Strom

eine kurze Tour zum kennenlernen der Heimat war geplant. Zwei Familien mit Oma standen fröhlich und motiviert bereit, eine Neckarschleife zu befahren, die sie sonst nur von einer Brücke aus sehen können. Bereits in der Einführung in Boote und eventuell. Tagesprogramm, sprang der Funke über. Oma drohte schon: „ Na warten sie was ihnen alles passiert, wenn sie mit uns auf Tour sind!“. Auch die Teenies sind spaßig. Sie ermahne ich : „das hier ist ohne „Return-Taste“. Es lag etwas in der Luft. Etwas – sagen wir mal „schicksalhaftes“. Etwas würden uns oder mir oder einem der Tag wohl sagen wollen….
Zügig steigen wir ein, weichen Schiffen aus, „betören“ Schwäne und studieren Wasserpflanzen. Eine holperige Umtrage und das Einfahren in eine Strömung auf Kante wird locker gemeistert. Obwohl die Gruppe kaum Übung hatte im selbstständigen Paddeln unter WWI-II, gelang alles Bestens. Auch waren wir im gewünschten Zeitplan. Später – im Schatten einer Weide, nach dem 3. Schwall Weißwasser stärkten wir uns. Was für ein schöner Tag dachte ich, kann ich doch alle meine Teilnehmer zufrieden stellen, auch wenn es Anfangs zeitlich etwas knapp kalkuliert wurde (etwas worauf ich ja immer hinweise: „nichts mehr vornehmen!“). Doch es sollte alles ganz anders kommen! Ein eher kleiner Schwall war vor der letzten Umtrage, etwa 5,5 km vor dem Ziel. Ich fuhr vor, erkundete lange die Lage, kam zurück und wies in die Problematik ein: „Ihr fahrt mir hinterher, denn nur dort wo ich fahre geht es“. Gesagt, getan. Oma hatte sich verguckt und fuhr einen Wackerstein zu weit links in den Wasserfall ein. Sofort verkanteten sie, kippten zum Wasser hin. Der Schwall füllte das Boot, es zerbrach in der Mitte. Beide, die Oma und ihr erw. Sohn wurden weiter hinunter gespült. Am Felsen hing ein unförmiger grauer Sack, von den Fluten aufgeplustert. Die zerbrochenen Holzteile ragten durch das zerstochene Oberdeck. Ich wies an, das beide sich bis zur nächsten Insel hinter dem Fall treiben lassen sollten. Ein Boot hielt nun oben am Wasserfall an und die Besatzung traute sich nicht mehr. Passanten am Ufer bleiben stehen – wie peinlich – keineswegs!
Irgendwie blühe ich dann auf. Nach einem kurzen Versuch, zu Fuß watend das Wrack auf der Bruchkante des Falles zu ersteigen, gebe ich auf. Ich schnappe 
mein Boot, und nehme Anlauf gegen den Wasserfall, von unten her kommend. Es waren 40m auf einer Steigung ungefähr. Kaum ein Meter in dem ich mein Paddel blind eintauchen konnte – alles war voller Steine. Mach einem kraftraubenden Sprint kann ich mich im neu entstandenen Kehrwasser hinter dem Wrack retten. Ich suche einen der nach oben stehenden Staken und binde meinen Einer fest. Dann lasse ich mich auf das Wrack fallen, während die Strömung mir das Boot am liebsten von den Füssen ziehen will. Ich hebe und zerre. Zunächst hält das Wasser und die Strömug gegen, – noch immer brechen Teile. Endlich bekommt der Restrumpf Unterströmung und beginnt über den Felszacken zu rutschen. Ich lasse los und die Strömung reißt mich rückwärts fahrend hinab. Das Seil spannt und das Wrack eines meiner RZ85 wird mir nach gespült. Das Wrack treibt nun weiter im Fluss, allmählich an der Insel meiner Gestrandeten vorbei. Ich paddel so stark ich kann, angefeuert von meinen Schiffbrüchigen am Ufer. Zuletzt konnte ich mich zum Seilwurf heran arbeiten (Wie wertvoll war es doch wieder einmal gewesen, ein Seil dabei gehabt zu haben). Endlich fing einer und zog mich zuerst, dann das Wrack ins flache Wasser. Ich entleere das Boot und sehe dass Bodenleiter und Bordwände mehrfach gebrochen waren auch 3 Spanten – Totalschaden. Doch nur wie sollten wir wegkommen? Es war ja noch ein Stunde Zeit um zurück zu kommen – es war aussichtslos, das zu schaffen. „Wie sollen wir denn jetzt zurück-kommen“ fragte Oma. „ Wir schaffen das schon – keine Ahnung wie!“. Ich baute die heilen Senten aus und schiente damit die Bodenleiter –  mit Panzer-band Es war zu dünn! „Wir brauchen jetzt Weidenruten – wer hat Taschenmesser“. Ist ja prima! Die Truppe watete nun von der Kiesinsel über eine hüfttiefe Senke zum fast senkrechten Ufer, das nur von Weiden gehalten wurde. Dort holten wir uns möglichst gerade Zweige. Ich selbst verlies in einer Art Klettertour, die Wurzel als Treppenstufen nutzend das Flussbett – und dachte immer an meine Touren im Montafon. Vorbei an Schaulustigen, die nun bestimmt seit über einer viertel Stunde uns zugesehen hatten ( die später dann Teilnehmer derselben Tour geworden sind). Stieg ich vor dem Fall in das zurückgebliebene Boot und besprach die Durchfahrt. Das Mädel machte gelassen mit und so kamen wir mit Rauschen und Applaus an der rettenden Kiesbank an, auf der gerade so etwas wie Moses Weidenkörbchen zu entstehen schien. Weiter flocht ich die Ruten in Korbmanier oder nur zwischen die Haut klemmend ein. Der Bruch war an die 2m „überbrückt“. Der Pegel stieg stetig und wir bekamen allmählich ein Platzproblem auf unserem Eilande. Ich setzte mich in das geflickte Restboot hinein und wählte einen leichten Teenie zur Mitfahrt, der eigenen Konstruktion nicht ganz trauend. Immerhin musste ich zeigen, dass man als „Falter“ so etwas „durchzieht“; andererseits wollte ich keinen Gast in ein nicht 100% Boot steigen lassen. Unser Teenie macht das aber ganz gerne – also ein Auge zugedrückt, es wird schon gehen. Die Fahr ging auch weiter – keine Ahnung wie spät es war. Jeder Zeitplan war ja da absurdum geführt. Nun erfuhr ich auch, dass der Sohn der „Oma“ des Nachts von einer Kenterung träumte in ebendiesen Bildern, die gerade selbst durchlebte. Ich begriff nun auch, warum diese Tourvorbereitung von so viel Recherche mit ständigen Änderungen des Pegels und anderen Widrigkeiten geprägt war. Ich hatte bis zu Beginn keine Ruhe und betet auffällig oft für das Gelingen. Er sagte: „als ich das Boot sah, wie es völlig kaputt war, dachte ich nicht, dass man das wieder zum fahren bringt“. Nun – er hatte schon recht. Es fuhr deutlich mit Drall. Aber ich war mir in diesem Augenblick sicher: das hat jemanden etwas zu sagen. Die Gruppe – oder Jemand aus ihr – musste das erleben, auch wenn sich mir nur Ansatzweise erschloss -warum. Keine Angst! Für Philosophie war keine Zeit! Nach einer weiteren Bergtour über eine Schlammrampe, bei der die 10 m- Seile dieses Mal zum Anseilen der Besatzung genommen wurden, damit diese überhaupt einmal hat stehen können, zog ich (oh mein armes Kreuz) dieselben mitsamt dem Boot nach oben. Auch wenn die „Schiebende“ letztenendes nur am Bugbeschlag hing, um nicht wieder ins Wasser zu entgleiten… Dann nutzen wir unsere Paddel um die 10cm Absätze aus Schlamm von unseren Sandalen abzubekommen. Wie bei der Erstürmung einer Burg schoben wir die Boote auf der „naturnahen Umtrage“ gen Dammkrone, durch die Bäume und Dornen hindurch. Wir erreichten den Kanal und wuschen unsere Füsse mit Sandalen dran, bzw. jetzt erkannte man wieder den Unterschied. Die Stimmung war fröhlich in Erfahrung dieses ganz einmaligen Abenteuers, aber erste Müdigkeit stellte sich trotzdem ein. Es waren noch 5km auf dem Kanal zu paddeln. Es in einer Stunde Gegenstrom zu schaffen, war alleine Kräfte mäßig nicht mehr zu machen. Als wir los fuhren setzte der Gegenstrom noch viel mehr zu. Schleuse und E – Werk hatten Durst. Ein hartes Paddeln begann für mich. Immerhin hat das Boot ja Beulen an den Weidenruten – Flickstellen gehabt. Immer wieder dreht das Boot völlig aus der Spur. Eine Ochsentour! Jetzt dringt Wasser ein – viel Wasser! Ein Flicken muss wohl abgegangen sein. Wir müssen nun Kurs halten, Lenzen und gegen die Strömung stellenweise Gieren, Vortrieb schaffen. Es war schwer – wir fielen immer weiter zurück. Mein Teenie hatte nicht die Kraft und ich war ja auch im Verhältnis viel zu schwer. Ständig legte ich das Paddel aus der Hand und wusste nicht wohin und arbeitete mit der Lenzpumpe – fast ohne Erfolg! Die Weidenruten verhinderten ein eintauchen in die Bilge! Sie hatte eine Idee: ich solle doch nach vorne gehen, dann könne sie ja besser Lenzen. Es war ja ein Kanal mit Spundwänden! Also steige ich an der Leiter ein paar Stufen hoch, Sie geht im Boot nach hinten und ich steige von der Leiter aus vorne ein. Nun wurde auch der Wassereinbruch weniger – was für ein Glück! Endlich kommt das Kanalende, über 2h nach spätestem Rückkunft-Wunsch kommen wir an. Die Partygäste wussten zum Glück dass ihre Gastgeber zuvor paddeln waren. Auf der Joggingstrecke am Kanal trafen sie bereits den Nachbarn. Erschöpft, das Boot aus schöpfend, verlassen wir den Neckar an der Stelle des Startes – nur keine 4 sondern 7,5 h später.

Alle waren Glücklich, die Gastgeberin und Helfer in Eile, der Rest saß mit mir vor den Booten im Schatten bei Kaffee und Keks und mussten erst einmal alles verarbeiten. Das Boot habe ich selbstverständlich nicht in Rechnung gestellt!Die Gründe liegen in meinem Reglement, das für diese Art der Strecken alte Boote vorsieht, die kaputt gehen dürfen. Nun war auf diese doch recht abenteuerliche Art erstmalig ein solcher Totalschaden aufgetreten. Es hat mich nicht geärgert.

[DFL] – Kaleidoskop: Taubermücken

10 Jahre derflusswanderer – ein Grund auf dem Boden zu bleiben.

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Taubermücken

Immer wieder werde ich gebeten an fernen Orten, außerhalb meines ohnehin schon ausgedehnten Revieres eine unserer Fahrten abzuhalten. Zuerst verweise ich natürlich auf den regionalen Anbieter und bitte darum, doch bei diesem zu buchen, da ökologisch sinnvoll, deutlich günstiger usw. Auch denke ich immer wieder an den Riesenaufwand all die Boote in unserem Kombi zu laden, ja kein Teil zu vergessen, und dann der komplette Aufbau, nebst Zelt – und dabei würde ich mich doch am liebsten in das Gras legen und am Ufer erst einmal nichts Tun.
Nun – Paddler aus der Region Taubergiessen baten mich mehrfach ich solle kommen und wollten partout keinen Ortsansässigen aus für mich nachvollziehbaren Gründen. Also konnte ich auch nicht mehr Nein sagen.
Natürlich begann ich eine Recherche von Campingplätzen und ich war nicht zufrieden. Über einige Kartenstudien, alte Führer, Tourismusbüros, Rathäuser, Vereine kam ich keinen Meter weiter – der Termin rückte immer näher! Nun begann ich intuitiv Telefonate mit ganz untypischen Adressen und immer abwegigeren Denkwegen, meinen Platz zu finden, – Tataa!!!: Eine Gartenlaube am Taubergiessen war gefunden!
Die Anfahrt durch Gehölz, Einspurige- und Schotterwege, machten deutlich, dass diese Lokation bestimmt kein Paddler kennt (und das bleibt auch so!).
Die große Tour war mit unserem (die Flusswandererfamilie) zu gründenden Vereine „DFWL“ zu fahren. Die Vorbereitungen waren in der Fremde immens: alles Aufbauen, alles abfahren mit dem Auto, Einheimische fragen, alte Karten auf neuen Straßen deuten, inmitten hoher Felder die Richtung verlieren, Fremde fragen: hinter welchen dieser Büsche ein Paddler sein Boot zu Wasser lässt, häufiges Kopfschütteln der Bauern – und es war heiß. Wasserpumpe prüfen, Schloss klemmt, also knacken, etc. während die Truppe schon kam.
Des Abends schnelle Bersprechung mit dem was ich ein-zwei Stunden zuvor alles erroiert hatte, Packlisten prüfen, Umpacken und helfen die Zelte zu stellen. Schnell kam Nacht und heller Morgen.
Manchen musste das Kollektiv antreiben um den angenehm kühlen Morgen zu nutzen. Sollte die Sonne brennen – und es war jeden Tag mitten um die 30 Grad – wollten wir unter dem Blätterdach des Waldes, das den Taubergiessen umgibt, verschwunden sein. Kaum angekommen begann auch die Zeit davonzurennen: im Eiltempo zeigte ich den Bootsaufbau den sachfremden Mitpaddlern, baute selbst und gab Hilfestellung den Motivierten. Nach 45 Minuten waren alle 6 Boote errichtet und beladen an der Wasserkante. Ich gab eine Einsteige- und Strömungsanfahrt vor, denn das Wasser schoss aus einem Rohr an der Einsetzstelle vorbei, dass es einen hätte umwerfen können.
Ich freute mich am erfrischenden Nass, hatte ich doch selbst keine Zeit mehr zur Morgentoilette gefunden.
Es war nun 09.00 gewesen und wir trieben durch letzte, nachtkühle Senken des Flusses während der Planet (Sonne) zu brennen begann. Die Strecke lief gut, aber alles Kartenmaterial war unanwendbar. Ich folgte der Strömung und immer wieder bestieg ich einen Damm um zu sehen, ob dahinter etwas fließt. So kamen wir zu einem Ende der Strecke am Hauptrheindamm. Ich erkundete die Lage und fand eine neue, aktuelle Karte: tatsächlich mussten wir zurück und an einer stark saugenden Öffnung umtragen. Ich fuhr voraus und warf Leinen zu um ein „unter der engen Brücke auf einen Wasserfall durchgesogen“ zu werden der Boote und Leute zu verhindern. Nicht jedem gelang das Fangen des Seiles aus 4 m Entfernung. Mitpaddler aus anderen Sprachen lächelten, aber verstanden nichts – auch nicht, das dass eigene Boot gleich über eine Wasserfall gehen würde – das wurde mir jetzt im ungünstigsten Moment klar! Sie reagierten dann doch auf unser lautes und mehrfaches Rufen und Deuten – und dem zweiten Seilzuwurf. Die erste Umtrage führte über eine Landstraße hinab am tosenden, kleinen von groben Wackersteinen durchdrungenen Wasserfall vorbei. Kein Faltbot hätte dieses „Granit-Waschbrett“ überstanden. Der Fluss war zu eng für ein Ablegen gegen die Strömung. Käme ein Boot quer, würde es an Bug und Heck mit dem Lande verklemmen und in den Fluten zerbrechen. So musste ich im Wasser stehend das Boot am Heck festhalten und instruierte die Besatzung zu paddeln was das Zeug hält – aber gerade bitte! Ich war mir jetzt nicht sicher, ob das alle auch wirklich verstanden haben, oder Einzelne bereit waren, etwas mehr Leistung für diesen Augenblick zu zeigen. Immer wieder wunderte ich mich, wie man einen Fluss so hydrodynamisch allerungünstigst hat bauen müssen. Immer wieder Brücken mit Wackersteinen in der Durchfahrt – im dunkel- ,damit man ja nicht sieht ob man auf Grund setzt. Immer wieder Schwälle im erfrischenden hellen türkisblau des Taubergiessen -ein Traum in hellblau, umgeben von dunkelgrünem Tann-herrlich! Der Ludwigskanal wird erreicht. Das Wasser ist nun grünlich klar wie Flaschenglas. Ein Sogrohr gefährdet den Aussteig. Über eine Zaunlandschaft mit breiten, glühend heissem Schotter der Mittagszeit und zwei Dämmen erinnert das an eine Art Grenzwall mit Minen und Wachtürmen. Die Umtragerei dauert ewig. Bootswägenhätten kaum eingesetzt werden können.
Im Kanal suche ich über ein Überlaufrinne zu kommen uns stosse mit dem Bug an einen Baumstamm, an dem sich ein ballen Lind-/giftgrüner Schaum befindet. Bevor ich diese Kollission wahrnehme, explodiert daraus förmlich ein Schwarm stecknadelkopfgroßer, rundlicher Fliegen, alle greifen mich an! Ich patsche um mich auch unter dem Hemd, in der Nase in den Wimpern in den Ohren – überall krabbelt und sticht es! Nach ein paar Sekunden ist der Spuk vorbei – doch er sollte nicht ohne Folgen bleiben. Nach der Umtrage ist das Wasser gewöhnlich dunkel-milchiggrün, Weiden, Teich- und auch Seerosen(!), Wassernuss, Pfeilkraut, Misteln alles wie auf den übrigen Altrheinarmen der Region. Die Sonne drückt, Schatten lädt zum verweilen ein, Trinkwasser geht zur Neige. Doch die Windungen wollen nicht enden, immer noch kommt Abzweig auf Abzweig und wehe du weisst nicht wo du bist. Immerhin konnte nun mit viel Wachsamkeit das eine oder andere Schild am Baume gefunden werden, auch wenn man immer mal der Trauerweide die Äste anheben musste. Immer wieder enge Stellen in denen die Langsam-Paddler hätten querschlagen und zerbrechen können. Immer wieder Stop und Einteilung der Taktung, so dass jedes Boot im Schwall genügend Platz zur Fahrt hat und nicht eines auf das andere aufläuft und hier die schlimmsten Unfälle verursachen kann. Immer wieder Vorfahren, Auskundschaften und die Gruppe im Schatten warten lassen. Es gab nun Momente im trägen Wasser und flirrender Hitze, wo man meinte, man käme nie an, Dann auch der Albtraum eines jeden Taubergiessen-Paddlers:; die Route wurde verlegt! Immerhin war das Sperrschild nagelneu glänzend und weithin zu sehen. Keine Sorge – es blieb nur bei einem gut lesbaren Schild auf 23 km.

Nun war mein Kartenmaterial auch flächenmäßig zu Ende. Ich führte also noch aufmerksamer die Gruppe ausserhalb des Kartenrandes. Bei einem verwitterten, mit dem Baume in die Höhe gewachsenen, handtellergroßen Schilde – äh – wirklich?!? ist das nicht eine Stück Rinde??? Mist ich sehe das so schlecht da oben im Schlagschatten -mit Sonne in der Pupille. Es war richtig geraten!!! In 300m Entfernung über glühend heißem, schattenlosem Schotterweg einem Dann hinauf, kamen wir an die Grenzen der Belastbarkeit. Die Bootswägen wären bei der ursprünglich beschriebenen Abzweigung ja nicht nötig gewesen, aber 2 Flussarme weiter weg… Auch hatten wir sie ja ohnehin bisher nicht brauchen können. Tja – da half jetzt alles Klagen nicht mehr, wenn nur diese Erschüpfung und der anbrechende Abend nicht wären. Es war ja schon nach 18.00 – aber immer noch heiß. Wir fanden das neckische Treppchen das an einen Schwallrohr unter dem Damm einen Steg simulieren wollte. Der gewaltige Schwall schoss die Boote gerade zu auf mehrere Haufen Wackersteine. Ein Umfahren, anfahren, treideln oder an den Steinen aussteigen war undenkbar. Es war wie ein Wasserfall! Sollten mir jetzt sämtliche Boote zu schaden kommen -jetzt nach der letzten großen Umtrage? Ich überlegte und entschloss: Einer setzendie Boote am Steg in Fahrtrichtung ein und ich fing sie im Schwall auf und lies die Besatzung aussteigen, und über die Steine kraxeln bis nach den Wackersteinen. Diese Prozedere dauerte sehr lange und allmählich war mir nicht mehr gut..

Endlich – in Teilen erschöpft trieben wir mehr als paddelnd auf dem letzten Teilstück. Hoffentlich würden wir die Markierung am Ufer finden. Der Sonnenglast machte das Spähen in die Baumschatten schwer. Die Tierwelt war in Gänze angetreten: Milan roter und schwarzer; Kranich, Reiher, Purpurreiher, Cormoran, Schwäne und Stockenten. Wir hatten uns, mit der in meinen Kursen vermittelten „Anzwinkertechnik“ angenähert und kamen auf – ich behaupte – 5 m ran! Ich meine jetzt keine Enten und Schwäne! Ich hatte bei der letzten Umtrage einen Langsampaddler an Bord übernommen, einen Gast aus dem fernen Auslande. Er freute sich wirklich über jede Stockende, lies sein Paddel fallen ruckelte im Boot nach der Kamera und fotografierte eine „Duck“ nach der anderen! Fortrieb – ausgeschlossen! Zum Glück war das wahrhaft seltene Wassergeflügel deswegen nicht beleidigt, das gewöhnliche Stockenten den Vorzug erhielten. Auch wenn es mir zunehmend schlechter erging, testete ich meinen Ententon aus und war doch sehr erfolgreich. Einige Jungenten waren bereits in Armlänge angeschwommen, bevor sie kapierten, wer sie da gerufen hatte. Es imponierte unseren Gast, da er etwas von Peking-Ente verstand. Endlich erreichten wir die erlösende Anlegestelle. Einige ließen sich Kentern, andere wie ich setzten uns mit den Füssen in das Wasser. Es war schon gut Abend, der Hunger war groß und bleierne Schwere überkam die eigene Geschöpflichkeit. Wir hörten noch einen Verleiher auf dem lautgestellten Handy iinstruktionen erteilen. Jemand hatte sich verpaddelt, wartete an einer Brücke im Sumpf hätte kein Wasser, war erschöpft, Kind weint- und wartete auf den Abholer – der sie nach Plan nicht gefunden hatte… Diesen Vorfall führe ich hier nicht weiter aus, er erklärte mir aber doch Vieles.
Ich holte mir von der Gruppe die Erlaubnis, mich zurückziehen zu dürfen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht was mit mir geschehen war: „War der Wasserfilter undicht, so dass ich mir Bakterien eingefangen hatte?“; „war ich etwa dehydriert trotz der 4Liter die ich selbst verbrauchte?“ „war es Unterzucker – eine Entkräftung?“ War es kalt geworden – nö!“ ich wusste es nicht. Nach dem Abendessen war ich apathisch im Zelt gelegen und hatte Schüttelfrost, dann Fieber, Durchfall. Am nächsten Tag hatte ich überall eitrige, stark juckende Pusteln abbekommen. Es waren Hunderte! Meine Hautfühlte sich an wie Plastik – etwas stimmte nicht mehr. Daheim stellte meine Hautarzt fest, ich sei eine Sehenswürdigkeit und holte seine Kollegin herbei. Die einmalige Symptomatik -erklärte er freudig erregt, sei ein „Hinweis auf eine Insektenstich-Vergiftung! „Jetzt kam mir auch wieder die Mückenattacke am Kanal in den Sinn. Eine Teilnehmerin zweifelte schon an meiner psychsichen Leistungsfähigkeit: „Das musst du doch aushalten können – das machst Du doch beruflich…“

Autor: derflusswanderer 2017

[DFL] – Kaleidoskop: Rheindrache

10 Jahre derflusswanderer – ein Grund auf dem Boden zu bleiben.

Die Berichte-Serie „Kaleidoskop“ gibt dem aufgeschlossenen Leser, Eindrücke, Einsichten, Ansichten und Anektoden zwischen den Zeilen des Angebotes…..

Zu Beginn einer Tätigkeit ist man noch voller Illussionen und lässt sich vieles von „erfahrenen“ Paddlen, Ausbildern, Schulungsleitern sagen. Das ist gut, aber irgendwann musst du über das Hinauswachsen. Denn nur weil dir etwas logisch erklärt wird, heißt das noch lange nicht, dass es auch so abläuft. Oder unlogisch wirkenden Gefahren unreal seien.

So ähnlich ging es mir, als ich anfing meine ersten Schulungsinhalte meiner Kanutouristiker-Ausbildung bei der damaligen BKT umzusetzen. Üblicherweise hat die Groß-, oder Motorschifffahrt immer ein Schattendasein in der Ausbildung von Wanderkanuten geführt -wenn diese überhaupt einmal an jenem sehr schattigen Themenrande erwähnt worden ist!
So trug es sich zu, das ich mit einer ängstlichen Paddlerin nach deren traumatischen Erlebnis sie wieder an das Boot gewöhnen versuchen sollte. Es war unter uns abgesprochen, ebenso das Programm.
Nach einer Fahrt in schönen, fast stillen Altrheinarmen, stand nun auch die Rheinfahrt an. Die Wellen und der Wind waren günstig, der Pegel etwas niedrig. Auch diese Fahrt schien entspannt kurz vor dem erfolgreichen Ende zu stehen. In einiger Entfernung, hinter einer Kurve, tauchte ein riesig wirkender Schubverband auf. Er schien 3 Etagen Container über der Bordwand geladen zu haben. Schön bunt war es anzusehen. Das Führerhaus war auf einer Art Hebearm angebracht. Diese Art von Riesenschiffen begegnete mir dann immer häufiger – und das wäre jetzt kein Problem gewesen; aber es kam ein Weiteres hinzu, das Erste überholend. Ich ahnte nicht, was das zu bedeuten hätte. Mir war schon klar, das es sich bei solchen Manövern um eine Art „Elefantenrennen“ handelt. Nur auf den Rhein hat das eine ganz andere Qualität als auf der A6 zwischen Autobahnkreuz A5 und Heilbronn-Untereisesheim– ich sollte es bald erleben. Während sich das „Überholrennen“ uns zu Berge annäherte, treiben wir unbemerkt immer schneller zu Tale. Ich folgerte, dass die Strömung an der Kurve eben schneller und zur Flussmitte hin mehr zieht. Das war in dieser Situation aber nicht ganz richtig: Nun sah ich dass die Wackersteine über 1 Meter trocken lagen, und der Pegel sank immer weiter! Ich gab Anweisung an meine Mitfahrerin und so schafften wir die letzte Buhne vor der Öffnung in den Altrhein. Immer tiefer sank der Pegel. Die beiden Großschiffe hielten nun voll auf uns zu, (es lag an der Optik in der Kurve- und an deren Kurs!) es war kein Platz mehr voraus. Da wir in den Altarm wollten, passte das ja gut – nur – was war geschehen! Der Pegel war an die 2m gesunken. Ich rede ab hier von Sekunden-Augenblicken. Von unten kamen Steine heraus es zog uns zu den Großschiffen hin! Die Öffnung – nun voraus- stieg über unsere Köpfe empor als erhöbe sich ein Drache mit Schuppenzacken auf dem Rücken und ein Wasserfall durch Wackersteine hindurchflutend stand uns plötzlich entgegen!!! Wir beide setzten auf, ungefähr 20m vor der Dammkante. Wasserdruck wie aus einem Eimer spülte uns zurück in den Verdrängungssog der Schiffe, Einige Wackersteine verkanteten mein Boot, ich wäre beinahe gekentert. Ich nahm viel Wasser auf! Volle Kraft voraus suchte ich meinen Kiel auf die Steine zu setzen und machte mir große Sorgen um meine Kollegin! So erlebten wir die sich in den Rhein entleerende Altarmöffnung. Wir schauten uns nun beide kurz an, auch sie war bis zu diesem Augeblick mit sich vollauf beschäftigt – und zum Glück noch da! „Das Wasser strömt zurück!!“ rief ich im Getöse den Wasserfalles und der Schiffsmotoren hinter uns. Die Wellen hoben nun meine Boot von hinten an wie bei einer Schiffschaukel. Der Bug quetschte gegen die glitschigen Wackersteine – ich kam mir vor wie auf einem Drahtseil und versuchte den Bug aus der Steinverkeilung zu lösen. Das Boot knarrte gewaltig – aber es hielt. Plötzlich rutschte der Bug raus und ich schwamm eben auf einer Art „Surfwelle“. Wir beide sahen noch ein-zwei Meter voraus die bedrohlich wirkdenden „Zähne“ im grünen Dunkel des Rheines verschwinden, bevor wir in den Altarm hineingespült wurden. Vom Schwung angetrieben hielten wir gerade noch so unsere Paddel fest. Ich war völlig perplex. Sie fragte mich: „Jörg – was ist passiert!?!“ gemeinsam sprachen wir über jene Schreckenssekunden in denen wir wirklich keinen gedanken mehr frei hatten, ausser auf das was es zu Begreifen gab.
Nun hatte meine Kollegin das für sich positiv gewertet. Dieser ernstfall habe ihr gezeigt, dass sie wirklich keine Angst zu haben brauche; ja es war geradezu Schicksalhaft dass eben genau Sie das so durleben hat müssen. In folge war ich allerdings an mir und meinen Lebensweg zweifelnd: Da hatte ich nun Zeit, Mühe und Eifer darauf verwendet, einen allzeit sichere Fahrt für meine zukünftigen Kunden zu gewähren und komme in derartige Ausnahmesituationen, an Belastbarketisgrenzen von Mensch und Material – in Todesängste.
Heute sehe ich, dass es nichts sträflich vernachlässigteres gibt, als die Binnenschifffahrts-Ausbildung der Kanuten. Weitere Erlebnisse wie Kentern im Winter, zerberstende Faltboote auf Felsen, Von Rheintonnen umgepflügt zu werden, etc. das alles galt es in 10 Jahren danach noch zu erleben. In allem galt es das zu verstehen und besser, sicherer zu machen.
Heut wirkt derflusswanderer immer wieder etwas „amtlich“ wenn ich die Konditionen für den Besuch von Kursen beschreibe. Das hat seine Gründe darin. Anfängern wähle ich einen maximalen Sicherheitsrahmen. Fortgeschrittenen verlange ich Sicherheit ab!
Keiner kann für Dich auf dem Rheine (oder den Engstellen des Unteren Neckars z.B.) Verantwortung übernehmen.

Autor: derflusswanderer 2017

[DFL] Kaleidoskop – Goldmarie

10 Jahre derflusswanderer – ein Grund auf dem Boden zu bleiben.
Die Berichte-Serie „Kaleidoskop“ gibt dem aufgeschlossenen Leser, Eindrücke, Einsichten, Ansichten und Anektoden zwischen den Zeilen des Angebotes…..

Eine kurze Tour mit einer Rheinquerung sollte für eine Gruppe erfahrener Kanuten an einem sonnigen, aber windigen Sonntag Nachmittag organisiert werden. Es ging ja nur um 5-7 Km. Wir trafen uns bei Philippsburg im Schatten der Kühltürme und übten zunächst alle Manöver um zu wissen, mit welchem Fertigkeiten-stand ich dann mit Allen den Rhein zu queren hatte. Die bunt gemischte Gruppe aus alle Altersklassen und Kajak-. Bzw. Kanadiertypen paddelte fröhlich drauf los. Dank der wenigen Wellen konnten alle Tonnen ausgelassen und das gegenüberliegende Altwasser erreicht werden. Während der Naturführung war die Sonne weg. Immer länger bleib sie aus und der Wind täuschte über die Wetterentwicklung hinweg. Schnell verfinsterte sich nun der Himmel. Er fiel mir fast ins Wort. Wir wollten noch schnellstens die Umtrage in 500 m und deren dichtes Blätterdach erreichen. Doch das Wetter war zu schnell im Umschwung. Während wir noch alle auf einer Insel im Sumpf aussetzen wollten, begann es sogar zu Hageln. Es wurde bitterkalt. Schnell gingen alle ans Ufer. So schnell ich konnte baute ich den Kocher auf und versuchte ein Regendach unter einer kleinen, halb umgefallenen Weide zu errichten. Die Teilnehmer waren etwas verdutzt dass sie nun eine Tasse Kaffee oder Tee in den Händen hielten. Trotzdem war die Plane zu klein. Auch Kekse gab es. Das Unwetter nahm an Regenmenge und Abkühlung stetig zu und so stellten wir fest, dass einige Kinder blaue Lippen bekamen und ganz erbärmlich zitterten. Während einige einen illegalen Pavillon im Gebüsch weit abseits entdeckten und darin Unterstand fanden, war der Rest der Gruppe auf der Suche nach warmen Kleidungsstücken für die Kinder. Ich fragte: „wo sind die Wechselkleider?“ die gab es bei den Eltern nicht. Sie verließen sich darauf, dass die Regenjacken für Ihre Kinder ja reichen würden. Mit Kälte hatte Keiner gerechnet. Nun war ich gefragt: „Wie kriegen wir die Kinder warm?“, bzw. zuerst einmal trocken. Ein Kleidersuchen begann. Alle machten nun mit, auch Erwachsene bibberten nun vor sich hin. Ein Handtuch wurde gefunden, eine Mitpaddlerin zog Ihre Regenhose noch im Regen aus und gab es einem der Kinder; ein Anderer gab sein „letztes Hemd“, und trug nur noch die Plaste-Regenjacke auf der Haut und fror ab dann auch vor sich hin.

Die Eltern rubbelten die Kinder immer wieder durch andere umschlossen diese, um sie zu wärmen -aber es wollte nicht gelingen. Mittlerweile hatten wir im Frühsommer Atemhauch vor dem Munde! „Wie kalt ist es denn! Das ist ja Winter!“ Entfuhr es Einem. Ich selbst konnte noch 1-2 Goldfoliendecken aus der ersten Hilfe geben. So wickelten wir längerfristig 2 Kinder ein. Es waren aber noch mehr Bekleidungskonzepte dem Temperatursturz und der Durchnässung nicht gewachsen. Nach über einer halben Stunde war auch aller Spitritus für ein Notfeuerchen verbraucht! Es war ja alles Tropfennass und nichts von dem vielen Gestrüpp hätte ein Lagerfeuer ergeben können. Erste umschlossen sich gegenseitig um zu wärmen. Für Singles war es jetzt schlecht -wer sollte sie denn umarmen?! Es regnete gut über 30 Minuten intensiv und ein kräftiger, eisiger Wind mit stellenweisem Hagel, zahlreiche Blitze, Donner – dann endete das Unwetter und entschwand ebenso schnell wie es gekommen war. Als Sonne und Wärme wiederkehrten und der Wind warm zur Ruhe kam, war Zeit die „Schäden“ zu beheben. Unsere beiden „Goldmariechen“ (wg. der Goldfolie) saßen nach wie vor im Kanadier und versuchten nun mit eigener Kraft warm zu werden. Eine gesunde Gesichtsfarbe stellte sich ein.
Es war alles verbraucht worden an Trinkwasser, Brennmittel und Teile des Verbandskastens, alle waren Tropfen nass und wollten beschleunigt paddeln um wieder warm zu werden. Man besann sich, welches Kleidungsstück am eigenen Kinde wem gehörte und versuchte es zurückzugeben, auch während die Gruppe Fahrt aufnahm. Als die Beschaulichkeit eines Sonntag-Nachmittages dann doch endlich uns überkam, begannen wir die Situation aufzuarbeiten: „Also das habe ich noch nie erlebt“ – ging es los. „ Warum hatten fast alle keine Wechselkleidung dabei? (stand in meiner Packliste), Warum waren die Regenjacken nicht trocken geblieben, sonder nass wie ein kalter Schwamm? Warum, Warum… Es gab eine lebhafte Diskussion unter den Paddlern. Auf einem Altrheinsee nun treibend, sich der Sonne aussetzend, tauten auch die guten Gedanken auf. Ich selbst hatte mit einer Tour von 2 Stunden gerechnet. Es wurden dann über 4 Stunden und ich war für diese Art Zwischenfall nur bedingt gerüstet. Kein großes Regendach wie es sonst obligatorisch ist, zu wenig Brennspiritus, zu-wenige Goldfoliendecken. Der Verein beschloss es in Zukunft besser zu machen und entwickelte eine eigene Packliste. Einige alt erfahrene Paddler, verbuchten dieses Ereignis als Einmalig in ihrer Vita. Auch sie hatten noch eine Extremsituation mehr kennengelernt. Ich bekam in Folge von den Mitpaddlern eine ganze Tüte voll Golddecken überreicht. Der Ausklang im Gasthaus war lang, kuschelig uns sehr kommunikativ.

Autor: derflusswanderer jörg, 2017

[DFL] Kaleidoskop: Abenteuer in Südfrankreich

10 Jahre derflusswanderer – ein Grund auf dem Boden zu bleiben.
Die Berichte-Serie „Kaleidoskop“ gibt dem aufgeschlossenen Leser, Eindrücke, Einsichten, Ansichten und Anektoden zwischen den Zeilen des Angebotes…..

Es war ein heisser Sommer. Mit 20 Teenagern und zwei gerade eben einmal 19-jährigen Mitarbeitern hatte ich die Aufagebe bekommen, diese etwas paarungsfreudige und weniger am Marschieren und Durchschlagen interessierte Gruppe zu formen und Abmarschfertig vor den Zeltlager-Leiter in die abfahrbereiten Busse zu setzen. 2-3 Tage sollte ich auf einer wasserarmen, heissen Ebene mit Karte und Kompass wieder in das Zeltlager zurückfinden. Bei Militär war mir ein solche Aufgabe erstmals und sonst oft auch geglückt. Aus meiner Tätigkeit als Küchenmitarbeiter war ich schon einiges von unseren Zeltlagerteenies gewohnt und hätte mich wohl gerne weiterhin im Küchenzelt verkrochen.
Nun war ich dran
mit Leitung einer Gruppe außerhalb des Ferien-Hauptcamps und wollte es schaffen! Nur wie?!? Ich breitete in einem großen Gruppenzelt kleinePlanen aus und legte darauf Spirituskocher, Baguettes, Klopapierrollen, Schmuseteddys, Comics, Wanderkarten, Klappspaten, Kompanden, Liebesromane und allerhand Wichtiges neben völligem Blödsinn, dessen ich im Lager habhaft werden konnte.

Betont gelangweilt und demonstrativ Desinteressiert starrten meine Teens überall hin.
Ich sagte: „ Ihr wollt euch also 2
Tage lang durchschlagen?“ Es traf den Wortführer: „Wieso?!!“ Du musst doch.. „Nein-ich muss nicht! Von mir aus muss ich nicht mit Euch fort. Wir können ja hier im Lager bleiben. Mir ist egal ob wir Fortgehen!“ Ratloses umhergucken. Ich lege nach: „ich dachte ihr wollt raus aus dem Lager?“

Zögerlich melden sich die ersten zu Wort: „doch ich will auf Tour gehen!“ andere stimmten zu, andere schwiegen und guckten auf den Wortführer.
„Ich werde euch nur begleiten! Das ist eure Tour! Ihr wollt die und ich gehe nur mit und
Sorge dafür dass ihr in keine Gefahr kommt!“ Noch mehr Gespräch unter den Teens setzt ein. Schlilich meldet sich der Wortführer: also gut wir wollen die „Durchschlagetour“ machen. Mittlerweilen hatten meine beiden jungen Mitarbeiter auch den letzten „Wandersmann“ im Schlafsack eines Mädels gefunden und im Zelte abgeliefert.
„Gut – fahre ich fort: hier sind auf 12 Planen Essen, Geschirr, Gegenstände die wir mitnehmen müssen – schafft ihr das? Alles schreit fast schon „Nein“ – richtig-
das ist viel zuviel! Guckt mal, was ihr braucht“. Die Teens gehen um alle Planen auf den Boden und heben mal ein Fernglas, mal einen Klo-Pömpel auf und beratschlagen. Der erste beginnt einzusammeln was man mitnehmen wolle, der Nächste berechnet die Baguettmenge, Spiritusmenge und Kocheranzahl, wieder eine Andere sagt, dass die Madels nicht alles werden tragen können und bespricht das mit den „starken Jungs“ was diese für sie tragen können. Auf der Plaen meines mustergepackten Rucksackes sehen alle Teenys, was ich mitnehmen werde und wohin schwere und leichte Sachen im Rucksack kommen werden. Die „starken Junges, die sich gerne bereit erklärten, ihren angebeteten Liebsten die zu schweren Sachen zu tragen, schreiten nun zur Tat und entleeren mit deren Zustimmung deren Rucksäcke. Die Mädchen sind nun bereit auch Sachen daheim zu lassen. Allmählich begreift die gesamte Gruppe dass alles an Baguettes, Kocher, Klopapier in die eigenen Rücksäcke muss! Es beginnt eine Phase des Ausleerens und daheimlassens nicht so wichtiger Gegenstände. Es wird beschlossen, dass einige Gegenstände auch Kollektiv verwendet werden müssten (Sonnencreme, Zahnpaste, u.v.m) Mir werden Dinge des Gemeinschaftsgutes auf meine Plane gelegt, die ich mitnehmen soll. Meine punktuelle Steuerung des Prozesses oder kurzen Einwürfe beschleunigen den Prozess. Auch wenn die vielen Grüppchen zu laut werden, oder eine Erkenntiss formulieren, die alle anderen auch wissen müssten. Schließlich werden die Rucksäcke unter meiner Anleitung an die einzelnen Teenies angepasst. Mit einem Rucksack auf dem Rücken und Wäscheteile die zurückbleiben sollen, verlassen alle das Gruppenzelt. Die übrigen Leiter und Gruppen des großen Lagers schielten schon argwöhnisch auf unser Vorbereitungszelt. Immerhin waren 4 Stunden vergangen – das war Rekord in all den Jahren dieser Ferienarbeit!
Ich kürze nun den Bericht. Nach einer Höhlenbesichtigung entschwanden die Busse unserem Gesichtsfeld. Es staubte und es war sehr heiß. Nun formierte ich die Gruppe zum Marsch querfeldein. Die
Jungs, die auf der Plane Karte und Kompanden attraktiv fanden (und schon einen Kurs mit mir machten) , wurden zum Kopf beordert. Die Höhle war auf der Karte schnell gefunden. Das Lager lag in 30 km Entfernung – Luftlinie ohne Wasser! In der Vorplanung besprach die Gruppe pro Marschierenden 3 Liter zu haben. Die Flachen waren voll, es waren fast 38 Grad, die Hüte waren meist breit krempiger. Nach Ein-nordung der Karte, erfolgte Peilung durch den Kompassführer, kontrolliert von dessen 2ten, der die Rechwinkeligkeit prüfte -so hatte ich es den Fünfen beigebracht. Über die zunächst baumlose Ebene schicken sie Einen voraus und ließen ihn auf Peillinie stehen, bis sie aufgeschlossen hatten. Am Waldesrand merkten sie einen Baum und ließen Einen stehen, bis die Gruppe ankam und verharrte. Nun konnte der Nachzügler bestätigen, ob der Baum richtig getroffen worden war oder doch 10 Bäume daneben lag. Diese Dinge hatte ich zuvor im Kurs „Kompassgehen“ vermitteln können. Im ersten Ort suchten wir nach einer Wasserquelle – und siehe da, keiner kam in 2h unter 1,5l Verbrauch weg. Diese Erkenntniss löste wiederum ohne mein großes Zutun ein Strategiegespräch unter den Teenies aus: „Wo war der nächste Ort“ mit Wasser?“ Würde man denn über Nacht direkt das Ziel ohne Wasserquelle erreichen können? Sicher nicht! Also neue Peilung und es ging ins Ungewisse. Der Kopf wechselte immer wieder durch. Das Schlusslicht hielt „vereinbarungsgemäß“ die Klo rollen inne. Musste ein Teeny im Gebüsch verschwinden, nahm es das Klopapier und eine knallrote Wäscheklammer in Form eines Vögelchens mit sich. Sobald es hinter die Zweige eines Baumes entschwand klemmte sie besagtes „Vöglein“ an einen solchen Ast. So sollten wir im Falle eines längeren wegbleiben von der Gruppe wissen, wo sie in den Wald ging, um ggf. nach ihr zu suchen. Die Jungs, die es sehr einfach hatten, die Bilge zu entleeren, wussten nun auch vor welchen Busch man sich nicht stellen sollte. Das „Schlusslicht“ gab dann auch immer Signal auf „langsam“ es fehlen welche. In Kurven und Dickicht schickte die Navigation immer wieder „Sprinter“ voraus, – denen die Hitze nichts auszumachen schien – mit einem Erkundungsauftrag, wie“ geht der Weg weiter oder ist das nur ein alter Forstweg? Wieviel Schritte sind es bis zu dieser Kreuzung? Die Truppe wartete mehr als einmal auf die Rückkunft des „Kundschafter“. Jede dürre Dornenhecke war für den Halt genehm, Hauptsache Schatten! Der Mittelteil wechselte öfters die Rucksäcke, Jungs trugen auch einmal zwei Gleichzeitig, ab und an wurde gesungen, einmal eine Blase abgeklebt, u.s.w. Es wurde dunkel und eine nicht in der Karte auszumachende Anhöhe mit Kalkstein und Steinflechten, von wenig Erde umbettet war gefunden. Die Teenys freuten sich nun darüber dass ihre „Stunde“ gekommen sei. Schon wurden die Schlafsäcke in Position gerückt – eine heiße Nacht stand nicht nur temperaturmäßig bevor. Meine Aufgabe war es auch – im Interesse der Eltern der Mädchen-, das zu unterbinden. Meine beiden Mitarbeiter sagten mir: „Jörg, das schaffen wir nicht -lassen wir es doch zu“ – oder so ähnlich waren die Worte. Wieder einmal stand ich mit dem Rücken zur Wand. Was sollte ich tun? Auch der Mitarbeiternachwuchs sah nun erwartungsvoll auf einen Hauptamtlichen. Nach einem Stoßgebet zum Schöpfer aller menschlichen Schönheit, immer noch ratlos, rief ich alle zu mir. Ich hatte mein Lager in Militärmanier außerhalb, in einer Halb senke getarnt errichtet um ggf. Herannahende zu erkennen ohne selbst in deren Erkundungsfeld zu gelangen. Langsam trabten sie heran. So sprach ich: „Also gut – ihr könnt Euch zusammenlegen wie ihr wollt – aber ich lege mich dann dazwischen!
Die Augen meiner 19-jährigen Mitarbeiter strahlten, ich grinste in mich rein „wie kam ich denn auf diese Idee?“ während ich also mein Lager polsterte sah ich, wie meine beiden Mitarbeiter nu
n ständig die Entknäuelung der Schlafsäcke anordneten. Die Flächenbelegung wurde nun deutlich größer, da meine Beiden ihre Schlafsäcke neben die bekannten „Betthupferl“ legten. Dies führte auch dazu, dass es nun Jungs- und Mädchengruppen gab, die sich vom Kernlager selbst weiter als 10m entfernten. Dort lagen ja die Leiter. Von denen wollte man ja im Alter von 13-15 Jahren abstand haben. Somit konnte diese Nacht mit einem maximalen Händchenhalten der besonders Verliebten überstanden werden.
Der Folgetag begann
nach einer traumlosen Nacht, den Wind im Ohr vor 6 Uhr. Ich muss wohl doch recht müde gewesen sein. Es war kühl. Um 8.00 war es schon heiß. So ging die Gruppe selbstorganisiert und mit für dieses Alter in maximaler Verantwortlichkeit in die nächste Etappe. Es waren Jugendliche die zum ersten Mal auf einem Lager waren, oder zum ersten Mal ihren Rucksack ernsthaft benutzen durften. Von den vier ausgesetzten Gruppen, kam nur meine innerhalb des Zeitplanes zurück, ohne Meuterei, ohne Aufgabe der Leiter oder Mitarbeiter selbst, ohne den lagereigenen Such- und Abholdienst bemühen zu müssen…..

Darum erzähle ich dir das:
Hätte ich selbst die Verantwortung für deren Motivation auf mich genommen, oder die angebotene Rolle des Belehrenden angenommen, wäre das nicht halbwegs so perfekt geworden.
Gewonnen habe dabei die Teenys und unsere neuen Mitarbeiter.

Autor: derflusswanderer jörg, 2017

[DFL] Wer ist derflusswanderer?

Hallo lieber Besucher,
ich bin der flusswanderer! Mit mir gehst du Fluss – Wandern!
Ich behandle dich gut und unterfordere dich nicht. Mit mir machst du gute Erlebnisse auf dem Wasser. Aber Vorsicht: wir machen Wassersport und keinen Trockensport. Wer Sorge hat nass zu werden bleibe bitte zuhause.

Vita: jörg aus Nürnberg. Verstehe mich als Mensch, keine Person oder Funktion.
Sprachheilschule Nürnberg, bayrischer Quali, Bäckerlehre, Vollkornbäcker, Demeterbäcker, Holzofenbäcker, Panzergrennie, Ausbildung zum [staatl.] Anerkannten Arbeitserzieher in Neckargemünd, REGRATIO-Projekt, Leiter einer Küchen-Angestellten Reha (Bistro), SOS-Kinderdorf, CVJM-Hauptamtlicher, Briefkurier, Wichernwerkstätten-Arbeitsgruppenleiter, Naturpädagoge nach Cornell, Amateurfunker, Buchautor, Galeriebau, Phantomime, Küchenchef, Mitinitiator der Jabez-Gebetsbewegung, Hausmeister-Chef, Bauernhof-Kinderheim-Stellvertreter, Mundart-Altstadtführer, Stutenseer, WFBM- Abteilungsleiter oder -Vertreter, Zweiradschrauber, Referent für Kirchen -und Missionsgeschichte, Straßenbahngleisbauer, Globetrotter mit dem Rucksack in Asien, Cnc-Fräser, Industrielöter, Maler- und Tapezierer, Hochseilgarten-Trainer, Verputzer, Näher, Zeltlagerleiter oder Zeltlager-Überfalllkommando, Metaller, Töpfer. Gründer der Eheastronauten, 18 Umzüge und unzählige, bei denen ich mitgeholfen habe.

Warum nun derflusswanderer? Mein Leben ist voller Wandel, so wie der Fluss. In der steten Wandlung Zuhause sein, Ruhe im umströmtsein finden, Gelassenheit, auch im vergehen und neu werden, kannst du bei mir in Eindrücken auf und am Wasser erfahren, erleben. Komm einfach mit. Deine Tour wird bestimmt so einmalig, wie alle, die ich bisher mit meinen Gästen unternommen habe.
Gehe mit mir Flusswandern und Du erlebst immer etwas interessantes, unvorhergesehenes. Es kann dich weiterbringen.